Mit einem großen Fest hat die AWO Langen e.V. am 12. September 2026 ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Rund 130 Gäste aus Mitgliedschaft und Ehrenamt, Stadtgesellschaft, Politik und der großen AWO-Familie kamen in der Albertus-Magnus-Gemeinde zusammen, um auf ein Jahrhundert sozialer Arbeit in Langen zurückzublicken – und zugleich den Blick auf die Zukunft zu richten.
Bei bestem Wetter und blauem Himmel begann die Jubiläumsfeier vor dem großen Saal. Bei einem Sektempfang wurden die Gäste von den Mini Voices musikalisch begrüßt, bevor sich die Veranstaltung im großen Saal der Albertus-Magnus-Gemeinde mit dem offiziellen Festakt fortsetzte.
Vom Recht auf soziale Unterstützung bis zur modernen sozialen Dienstleistung
Der Vorsitzende der AWO Langen, Tim Ruder, erinnerte in seiner Begrüßung zunächst an die Ursprünge der Arbeiterwohlfahrt. 1919 von Marie Juchacz gegründet, sollte die AWO ein grundlegend anderes Verständnis sozialer Unterstützung etablieren.
„Die Grundidee der AWO damals war es, wegzukommen von einem Almosenstaat, von einem Verständnis des Bettelns und der Wohltätigkeit – hinzukommen auf ein System der Selbsthilfe, also soziale Unterstützung als Recht und als Anspruch“, erinnerte Ruder.
In Langen begann die Geschichte der Arbeiterwohlfahrt 1926. Unter Leitung der Lehrerin Else Werner kamen engagierte Menschen regelmäßig zusammen. Aus diesen Anfängen entwickelte sich ein Ortsverein, dessen soziale Angebote über die Jahrzehnte immer weiter ausgebaut wurden. Nach dem Verbot der Arbeiterwohlfahrt durch die Nationalsozialisten 1933 folgte nach dem Zweiten Weltkrieg der Neuanfang. Später entstanden unter anderem Essen auf Rädern, der Mobile Soziale Hilfsdienst, der Hausnotruf, zahlreiche weitere Hilfen und Anwohner- und Seniorentreffs.
Heute ist die AWO Langen mit rund 430 Mitgliedern der mitgliederstärkste AWO-Ortsverein im Bezirk Südhessen. Rund 50 hauptamtliche Kolleginnen und Kollegen und Bundesfreiwillige sorgen mit unterschiedlichen Angeboten dafür, dass Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können.
„Unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten an 365 Tagen im Jahr dafür, dass Bürgerinnen und Bürger trotz ihres Alters, Krankheit oder Behinderung so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben können“, betonte Ruder. Allein Essen auf Rädern versorgt täglich rund 140 Menschen. Hinzu kommen unter anderem Hilfen im Haushalt und Alltag, Fahr- und Einkaufsdienste sowie der Hausnotruf.
„Damit erreichen in Langen und Umgebung circa 2.200 Kundinnen und Kunden jährlich und helfen ihnen, ihren Alltag zu bewältigen, selbstständig zu bleiben und ihre Lebensqualität zu sichern“, fasste Ruder die heutige Bedeutung der sozialen Arbeit zusammen.
Zugleich dankte er ausdrücklich allen Ehren- und Hauptamtlichen, ohne die weder die Vereinsarbeit noch Angebote wie Bewerbungshilfe, Kaffeenachmittage und Veranstaltungen wie die Jubiläumsfeier möglich wären. Ruder verband dies mit einem Aufruf, sich auch künftig im Vorstand, bei Projekten oder punktuell bei Veranstaltungen für die AWO zu engagieren.
Quilling: „Über Generationen hinweg entsteht Zusammenhalt“
Landrat Oliver Quilling würdigte die AWO Langen als starken und verlässlichen Partner im sozialen Netzwerk des Kreises Offenbach. Dabei hob er insbesondere die gesellschaftliche Wirkung ihrer Arbeit hervor.
„Wenn die AWO Langen mit ihren Angeboten den Menschen mehr Lebensqualität schenkt, profitiert die ganze Stadtgesellschaft – über Generationen hinweg entsteht Zusammenhalt“, betonte Quilling.
Kommunen könnten die wachsenden sozialen Herausforderungen nicht allein bewältigen. Alter, Pflege, Einsamkeit, Kinderarmut, Migration, Behinderung und Bildungsgerechtigkeit seien Aufgaben, die ineinandergreifen und gemeinsames Handeln erfordern.
„Wir brauchen deshalb Netzwerke, die verlässlich zusammenarbeiten und Verantwortung nicht einfach nur weiterreichen, sondern eben gemeinsam tragen. Mit der AWO gelingt uns das, insbesondere hier in Langen seit Jahrzehnten.“
Auch für die Zukunft sieht der Landrat eine zentrale Rolle für die Arbeiterwohlfahrt: „Bei dieser Aufgabenstellung kann die AWO auch künftig eine besondere Rolle spielen. Sie stärkt die soziale Infrastruktur und setzt sich als Stimme von allen ein, deren Anliegen im Alltag leicht überhört werden.“
Quilling machte zugleich deutlich, dass ein 100. Geburtstag kein Anlass sei, sich auf dem Erreichten auszuruhen. Vielmehr sei das Jubiläum ein Auftrag für die Zukunft. Zum Abschluss formulierte er einen besonderen Wunsch: „In diesem Sinne wünsche ich der AWO Langen für die – ich sag mal, ich bin mal so mutig – kommenden 100 Jahre weiterhin viele Menschen, die spüren, welcher Reichtum, welche Sinnhaftigkeit und Freude in der sozialen Arbeit steckt.“
Löbig: „Unverzichtbare Säule der Sozialarbeit“
Für die Stadt Langen gratulierte der Erste Stadtrat Stefan Löbig zum Jubiläum. Er zeichnete den Weg der Arbeiterwohlfahrt von ihren historischen Wurzeln bis zu ihrer heutigen Bedeutung für die Stadtgesellschaft nach und würdigte insbesondere das jahrzehntelange Engagement der haupt- und ehrenamtlich Tätigen.
„Die AWO ist längst zu einer unverzichtbaren Säule der Sozialarbeit in unserer Stadt geworden“, stellte Löbig fest.
Dabei gehe die Aufgabe der Arbeiterwohlfahrt weit über einzelne Dienstleistungen hinaus. „Ihr geht es nicht nur um direkte Hilfe, sondern auch darum, die Ursachen gesellschaftlicher Probleme offenzulegen und Lösungen anzubieten, die zukunftstauglich sind.“ Die AWO spreche für Menschen, die häufig keine eigene Lobby hätten, und gebe wichtige Impulse für gesellschaftliche Veränderungen.
Angesichts des demografischen Wandels, wachsender sozialer Unterschiede und der Gefahr zunehmender Altersarmut werde diese Aufgabe nicht kleiner: „Bei der Lösung dieser sozialen Fragen wird die AWO auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen – eine nicht weniger bedeutende als in ihren Gründungsjahren.“
Alex erinnert an die historische Verantwortung der AWO
Die Vorsitzende des AWO Kreisverbandes Offenbach-Land e.V., Ulrike Alex, stellte in ihrem Grußwort die enge Verbindung zwischen dem Langener Ortsverein und dem Kreisverband heraus. Diese zeigt sich nicht nur in gemeinsamen Werten und handelnden Personen, sondern auch in den zahlreichen Angeboten der AWO in Langen. Neben den Diensten des Ortsvereins gehören dazu Einrichtungen des Kreisverbandes wie die Kindertagesstätten Mikrokosmos und Start Up.
Alex erinnerte zugleich daran, dass die Geschichte der Arbeiterwohlfahrt immer auch eine Verpflichtung für die Gegenwart darstellt: „1926 gegründet und sieben Jahre später verboten – das sollten wir bei aller Freude im Hinterkopf behalten, wenn wir darüber nachdenken, wie die gesellschaftliche Entwicklung zurzeit ist.“
Daraus leitete sie einen klaren Auftrag ab: „Insofern ist die AWO auch ein Schwert, das man braucht, um unsere Werte weiter erhalten zu können.“
Die gemeinsamen Werte müssten dabei sowohl nach außen als auch innerhalb der Organisation gelebt werden – gegenüber Mitgliedern und Kunden ebenso wie gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Mit einem augenzwinkernden Vergleich machte Alex deutlich, was soziale Arbeit und die AWO aus ihrer Sicht auszeichnet: „Wir sind schließlich keine Zementfabrik, wir sind was anderes. Wir haben Ideen und die wollen wir umsetzen. Und wir wollen Menschen haben, die das mit uns machen wollen und die dafür brennen.“
Gemeinsam feiern – und gemeinsam in die nächsten 100 Jahre
Zum Abschluss des offiziellen Teils bedankte sich Vorsitzender Tim Ruder bei allen Festrednerinnen und Festrednern sowie bei den vielen Menschen, die zum Gelingen des Jubiläums beigetragen hatten. Den von Landrat Oliver Quilling formulierten Auftrag für die kommenden 100 Jahre nahm Ruder für die AWO Langen gerne an.
Auch musikalisch wurde das Jubiläum seinem festlichen Anlass gerecht: Nachdem bereits die Mini Voices die Gäste beim Sektempfang begrüßt hatten, sorgte im großen Saal der Orchesterverein Langen mit zünftiger und stimmungsvoller Festmusik für beste Unterhaltung und leitete zugleich in den geselligen Teil des Abends über.
Anschließend lud die AWO ihre rund 130 Gäste zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Mitglieder und Ehrenamtliche kamen dabei ebenso miteinander ins Gespräch wie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Stadtgesellschaft und AWO-Familie.
Das Jubiläum wurde zugleich genutzt, um ein ganz konkretes Zukunftsprojekt zu unterstützen: Die AWO Langen möchte ein neues Fahrzeug anschaffen und dieses für die Beförderung von Menschen im Rollstuhl entsprechend umbauen lassen. Für den notwendigen Umbau werden 7.500 Euro benötigt. Deshalb sammelt die AWO derzeit Spenden für das Projekt. Über einen QR-Code können Unterstützerinnen und Unterstützer unmittelbar einen Beitrag zur Finanzierung des neuen Rollstuhlfahrzeuges leisten. Besonders dankbar war man daher über großzügige Spenden des Landrats Quilling, der AWO Dietzenbach e.V., des AWO Kreisverbandes Offenbach Land e.V. und zahlreicher Spenden auf der Mitte der Gäste an diesem Tag.
So stand am Ende eines Abends, der auf 100 Jahre AWO Langen zurückblickte, vor allem der Blick nach vorne: Die Aufgaben haben sich seit 1926 verändert – der Anspruch ist geblieben, Menschen konkret zu unterstützen, soziale Teilhabe zu ermöglichen und für Solidarität, Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt einzutreten.
Und damit beginnt für die AWO Langen nach den ersten 100 Jahren nun das nächste Kapitel.